Greune Stee

Foto - Galerie für privat und Presse von Johann Beerens

  • Wo einst die Nordsee-Wogen rauschten,
  • Wo gischtgepeitschte Wellen brausten,
  • Wo Seehunde sich und Quallen tummelten,
  • Wo Sand und Strand und Wasser rummelten -
  • da wurd' es grün, es entstand schon bald       Borkums naturgeschützter Wald                        Ein „Ur“wald ist die „Greune Stee“ geworden,     wo Pflanzen, Tier' und Menschen  sind geborgen
  • Von den Süddünen am Elektrischen Leuchtturm bis zum neuen Deich erstreckt sich eine gut vier  Kilometer lange Dünenkette mit Erhöhungen von acht bis zu fast 15 Metern.. Sie sind im vorigen Jahrhundert aufgeweht und bilden noch heute einen natürlichen Schutzwall in zweiter Linie gegen den Blanken Hans, wenn er denn mal den künstlichen Damm durchbrechen sollte. Im Vorland dieser Dünen haben sich mit der Zeit kleinere und etwas höhere Dünen gebildet. Zur Emsseite wurde das Gebiet durch einen kleinen Wall abgeschirmt, so dass das normale Hochwasser nicht mehr einfließen kann. Schnell siedelten sich die ersten Pflanzen an und begrünten die Flächen. Im Sommer trieben die Kuhhierten ihre Tiere auf das Land, sie nannten die Weideflächen „de greune Stee“, was „die grüne Stelle“ bedeutet.
  • Das etwa zwei Quadratkilometer große Gebiet ist im südöstlichen Teil kaum begehbar. Weitflächige, machmal hektargroße, fußtiefe Wasserlachen, die oft wegen der üppigen Wasserflora nicht zu sehen sind, ergeben einen natürlichen Lebensraum für zahlreiche Wasservögel und Sumpftiere. Im Nordwesten schließt sich der „Borkumer 'Ur'wald“ an, der im Wesentlichen auch sumpfig und unbegehbar ist. Nur wenige Pfade führen durch den Wald, die sowohl von den Insulanern als vor allem auch von den Gästen als willkommene Wanderwege angenommen werden. In vergangener Zeit wurden einige der Wege gepflastert, so dass auch Fahrradfahrer die etwa 80 Hektaren große „Greune Stee“ erleben können.  Vor gut 100 Jahren nutzte der Hauptlehrer Huismann, er war zuvor in Folmhusen gewesen, die wenigen Sandrücken, die durch das nasse Gebiet führen, um eine bessere Begrünung des wilden Tales zu erreichen. Jahr für Jahr säte er Baumsamen, die er für einen Taler erworben hatte. Mit den Schulkindern pflanzte er alljährlich junge Bäumchen, die aus den Samen gewachsen waren. Es waren vor allem Schwarzerlen, die auf dem nassen Boden besonders gut gediehen. Diese vermehrten sich bald durch eigenen  Samenwurf und wohl auch durch Wurzelsprossen. Der Borkumer Wald war geboren und begann zu laufen.
        • 1912 kam Anton Scharphuis, der zuvor in Ihren, Nüttermoor und Heisfelde seine Gehversuche als Lehrer machte, wieder nach Borkum, wo seine Mutter die Familienpension 'Cornelia' betrieb. Er befaßte sich intensiv mit der Inselflora und der Fauna des Strandes und des Wattenmeeres und war schon bald über Borkum hinaus bekannt für seine naturwissenschaftlichen Arbeiten. Außerdem befaßte Scharphuis sich mit der Geschichte der Insel und gründete 1920 den Heimatverein Borkum. Viele heimatkundliche Veröffentlichungen entflossen seiner Feder.Was nun sein Vorgänger im Amt, Hauptlehrer Huismann, begonnen, setzte Anton Scharphuis mit Akribie und fundiertem Wissen im Namen des Heimatvereins fort. Dabei ging es nicht nur um die Vergrößerung des Waldes, sondern auch um der einheimischen Vogelwelt einen ungestörten Lebensraum zu schaffen.  Außerdem wurden die jagdlichen Interessen des Jagdvereins nicht außer Acht gelassen. Brutstätten für viele Vogelarten und Unterschlupfmöglichkeiten für Kaninchen, Hasen, Fasanen und Rehwild entstanden.
        • Jedes Jahr nahm der Wald in seiner Ausdehnung zu. Der Heimatverein bekam vom Domänen-Rentamt die Erlaubnis, das Gelände als Vogelbrutstätte einzurichten und dafür weitere Anpflanzungen vorzunehmen. Die Landwirte, die die „Grüne Stelle“  zur Grasnutzung gepachtet hatten, erklärten sich bereit, nicht vor dem 1. Juli mit dem Grasmähen zu beginnen.
        • Es wurden auch erhebliche Fehler gemacht. So veranlaßte der Jagdverein im Jahre 1926 eine umfassende Pflanzung von Weiß- und Roterlen, Heckenrosen, Liguster, Feldahorn, Bergkiefern, Akazien und Weiden in den Dellen des Ost- und Westlandes und ebenda auch in der „Greunen Stee“. Dabei wurden die Erfahrungen der vergangenen Jahre außer nicht beachtet, so dass ein Mißerfolg vorprogrammiert war. Anton Scharphuis, inzwischen zum Konrektor der Volksschule Borkum ernannt, hatte dank seiner Untersuchungen und Beobachtungen mehr Erfolg. Dreitausend Schwarzerlen, 500 Bergkiefern, 500 Birken und 100 Heckenrosen pflanzte er mit den Jungen der oberen Schulklassen.
        • Damit hatte das Waldgebiet seine vorläufig größte Ausdehnung erreicht
  • Anton Scharphuis, 1936 zum Rektor der Volksschule aufgestiegen, sagt zu den Anpflanzungen: „Die „Greune Stee“ ist nicht nur ein Schutzgebiet für die nistenden Vögel (und der jagdbaren Tiere, jb), sondern in erster Linie für die einheimische Pflanzenwelt“, und „wo der Mensch in bestehende Pflanzengesellschaften neue Gewächse einfügen möchte, da handelt es sich stets um einen Kampf, über dessen Ausgang sich von vornherein nichts sagen lässt - es sei denn, dass bei der Auswahl des Pflanzenmaterial die Erfahrungen anderer Weise verwertet werden.“
  • Im letzten Krieg und in den Jahren danach hat der Wald sehr gelitten. Nicht nur, dass dort militärische Anlagen gebaut wurden, sondern auch, weil Brennmaterial auf Borkum knapp wurde und in der „Greunen Stee“ Holz genug zu finden war. Der Vater der Greunen Stee, wie Anton Scharphuis inzwischen genannt wurde, starb 64jährig im Jahre 1947. Ihm zu Ehren trägt der gepflasterte Nordweg seinen Namen. Ein Granitfindling (Titelbild dieser Seite) wurde zu seinem Andenken aufgestellt. Seine Indee aber lebt weiter. Der Wald selbst hat sich durch Samenwurf wieder erholt. 1952 pflanzten Schüler der Mittelschule noch einmal Erlen, Birken und Ginster. 
  • Auch wenn es keine Riesenbäume mit mächtigem Umfang in der „Greunen Stee“ gibt, auch wenn der Wald verhältnismäßig jung ist und das Vorwörtchen „ur“ eigentlich noch nicht verdient, so bietet sich dem Wanderer, der die „Greune Stee“ mit offennen Augen durchstreift, das Bild einer urwüchsigen Landschaft besonderer Art. Umgestürzte Kiefern und Birken, deren Stämme kreuz und quer übereinander liegen; mannshohe Wurzelgebilde; bizarre Verwachsungen verschidener Pflanzen; bis in die Baumgipfel wuchernde  Hopfen- und Jelängerjelieber-Ranken; weitflächige Brommbeersträucher; hellgelbglühende Sanddornbüsche; Farngewächse an den schattigen Stellen; Pilze im trockenen Waldboden unter den Blätterkronen und Schwämme überall da, wo der Boden feucht bis naß ist und das Fallholz modert.
        • Die „Greune Stee“ ist ein Naturschutzgebiet und  ein Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Sie darf nur auf den vorgeschriebenen und ausgewiesenen Wegen betreten werden. Diese allerdings werden von der Stadt Borkum regelmäßig gepflegt, so dass Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer diese einzigartige Natur pur erleben können. Ruhebänke an dem gepflasterten Weg am Nordrand des Waldes sorgen zudem für  besinnliche Augenblicke und kräftesammelnde Entspannung. So ist die „Greune Stee“ nicht nur Schutzgebiet für Pflanzen und Tiere, sondern auch Erholungsraum für die Menschen auf der schönen Nordseeinsel Borkum geworden.

Erholung und Entspannung pur - das bietet die GREUNE STEE, ob nun in der aufblühenden Frühjahrszeit, ob im Sommer mit den schattenspendenden Bäumen, im Herbst mit den leuchtenden Blüten und Beeren oder im Winter, wenn auf den Tümpeln das Eis glitzert und zwischen den Birken der Schnee funkelt.

Lesen Sie auch das kleine Borkum-Märchen von den GREUNEN UND IHRE BAKE  auf hoch und platt.

Diese Seite wurde geändert am  02.Januar 2009

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